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Tierschutzrechtliche Aspekte im Trabrennsport

Wie jede Sportart mit Tieren stehen auch Trabrennen unter der besonderen Beobachtung von Tierschützern und entsprechender Organisationen. Vor einigen Jahren sorgte ein Bericht des Magazins "stern" in diesem Zusammenhang für Aufsehen und prangerte Missstände im Trabrennsport an.

Leider hat sich in diesem Zusammenhang ein falsches Bild zusammengefügt, zu dem wir hier gerne Aufklärungsarbeit leisten möchten. Wir erklären Sinn und Nutzen der Ausrüstungsgegenstände und erläutern, warum Traber traben. Die Ausrüstungsgegenstände wurden in Zusammenarbeit mit den Tierschutzorganisationen geprüft und genehmigt, der HVT hat dazu eine entsprechende "Positivliste" herausgegeben - andere Hilfsmittel sind nicht erlaubt.

Warum Traber traben statt zu galoppieren

Oft wird kritisiert, der Trab sei eine unnatürliche Gangart. Dies ist falsch, der Trab ist die natürliche Gangart zwischen dem langsamen Schritt und dem sehr schnellen Galopp. Während die meisten Pferderassen bei hoher Geschwindigkeit in Galopp fallen, können Traber aufgrund jahrhundertelanger Zucht und Selektion auch bei hohen Geschwindigkeiten eine flüssige Trabaktion halten. Auf dieser natürlichen Begabung baut das Training der Trabrennpferde auf.

Bei der hohen Geschwindigkeit und der diagonalen Schrittfolge ist es sehr wichtig, dass das Pferd die Balance halten kann. Daher werden die jungen Pferde Schritt für Schritt an schnellere Geschwindigkeiten gewöhnt und lernen, den Rhythmus und das Gleichgewicht zu halten. Hier muss sehr behutsam vorgegangen werden.

Häufig wird der Vorwurf laut, dass Trabern der Galopp abtrainiert würde. Das ist natürlich weder richtig noch überhaupt möglich. Beobachtet man Renntraber auf der Weide wird man sehen, dass sie sich auch im Galopp austoben. Im Vergleich zu anderen Rassen fallen sie dann aber schneller in einen ausgreifenden Trab zurück - da zeigt sich wieder die selektive Zucht, in der nur die besten und schnellsten Traber verwendet werden.

Die Ausrüstungsgegenstände - der Scheck

Aufgrund der hohen Geschwindigkeit beim Renntrab und dem beschriebenen Problem der Balance wird dem Rennpferd ein Hilfsmittel gegeben - der Scheck. Dieser Lederriemen geht vom Geschirr auf dem Rücken des Pferdes zwischen den Ohren hindurch und endet in einem Kinnriemen, einem leichten Gebiss oder einem Bügel mit Stoffpolsterung.

In diesen Scheck können sich die Pferde "hineinlegen", er stellt einen Fixpunkt dar. So können die Pferde besser die Balance und damit auch bei höheren Geschwindigkeiten den Trab halten. Zudem stellt ein Pferd, das plötzlich den Kopf herunter reißt, eine Gefahr für den Fahrer und das gesamte Feld im Rennen dar. Dass der Scheck das Pferd am galoppieren hindert oder das Pferde nur mit Scheck im Trab gehalten werden könne, widerlegen an jedem Renntag die Pferde, die auch mit Scheck anspringen oder die, die ganz ohne Scheck auskommen.

Die Ausrüstungsgegenstände - die Ohrenwatte und -kappe

Im Zusammenhang mit der sogenannten "Zugwatte" ist oft von der "akustischen Peitsche" die Rede. Tatsächlich ist das Verschließen der Ohren vor dem Rennen für Pferd und Fahrer vor allem eine Frage der Sicherheit. Traber stehen "hoch im Blut" und reagieren stark auf Umwelteinflüsse. Auf der Rennbahn mit anderen Gespannen, Zuschauern, Musik und Lautsprecherdurchsagen bleiben die Pferde ruhiger, wenn sie nicht durch Geräusche gestört werden.

Im Rennen fehlt dem Fahrer dann jedoch ein wichtiges Hilfsmittel: seine Stimme. Wer schon einmal hinter einem Traber gesessen hat, weiß, wie gut das Pferd auf Signale mit der Stimme reagiert und nochmal beschleunigt. Daher kann der Fahrer über eine Schnur die Watte aus bzw. die Kappe von den Ohren ziehen, das Pferd hört nun seine Kommandos und kann im Einlauf optimal unterstützt werden. Das Ziehen darf nicht mehr auf den letzten 500 Metern eines Rennens durchgeführt werden und wird bei Zuwiderhandlungen bestraft.

Die Ausrüstungsgegenstände - das Zungenband

Zugegeben, für Neulinge klingt es gewöhnungsbedürftig, dass einigen Pferden die Zunge festgebunden wird. Leider wird der positive Effekt, der den negativen deutlich übersteigt, oft verkannt. Denn viele Pferde spielen mit der Zunge und legen diese dann über das Gebiss in ihrem Maul. Nun liegt das Gebiss ungeschützt auf dem Unterkiefer auf und wenn der Fahrer mit der Leine Druck auf das Maul ausübt, verursacht dies dem Pferd Schmerzen. Nun kann es die Zunge nicht mehr unter das Gebiss legen, das Pferd wird unregulierbar.

Bei 50 Stundenkilometern kann ein unkontrollierbares Pferd zu einer tödlichen Gefahr für alle Beteiligten werden - daher wird den Pferden vor dem Rennen die Zunge mit einem elastischen Band so fixiert, dass sie nicht mehr über das Gebiss gelegt, aber weiterhin im Maul bewegt werden kann. Dazu vermeidet es, dass Pferde, die den Kopf weit heben, im Rennen ihre Zunge verschlucken. Aufgrund der hohen Atemfrequenz und des enormen Sauerstoffverbrauchs im Rennen könnte ein kurzzeitig verschlossener Rachen zum Tod des Pferdes führen. Im Training wird das Zungenband nur selten verwendet, am Renntag tragen Pferde das Band höchstens eine Viertelstunde.

Weitere Ausrüstungsgegenstände

Neben den beschriebenen Gegenständen gibt es noch viele weitere, die dem Pferd bei seiner Trabaktion helfen oder Verletzungen vorbeugen. Sehnenschoner, Gamascher, Hufglocken ("Gummischuhe") seien als Beispiele genannt. Eine große Bedeutung kommt dem Hufbeschlag zu. Die Bahnverhältnisse und die Verfassung des Pferdes machen sogar manchmal ein kurzfristiges Umbeschlagen noch am Renntag nötig. Wer den komplizierten Vorgang des Ausbalancierens einmal verfolgt hat, fühlt sich unweigerlich an das "Setup" bei der Formel eins erinnert. Eine kleine Änderung an Beschlag und Anspannung kann einem Pferd "Flügel" verleihen - oder das Gegenteil erreichen.

Dem Vorwurf der Tierquälerei kann man mit einem simplen Argument entgegentreten: Im Rennen entscheiden oft die letzten ein, zwei Prozent über Sieg oder Niederlage. Ein Pferd, das nicht artgerecht gehalten und nicht optimal betreut wird, wird niemals Bestleistungen bringen können. Schon allein daher liegt es im Interesse aller Beteiligten, die Pferde bestmöglich zu pflegen und ihnen nicht den Spaß am Laufen und die Motivation zu gewinnen zu nehmen.


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